abm


 

Arbeitsbeschaffungsmaßnahme Archäopteryx

 

Ganz am Anfang beschäftigten wir uns mit der Geologie, der Lehre von der Entstehung, Entwicklung und dem Bau der Erde. Durch die geologische Erdgeschichte und mit Hilfe der Formationstabelle konnten wir feststellen, wie es in Solnhofen zur Lebenszeit des Archäopteryx´ im Erdmittelalter im Jura ausgesehen haben könnte. Danach kamen wir zur Päläontologie, der Fossilkunde. Die Paläontologen, auf der Suche nach Lebewesen vor unserer Zeit, deuteten und werteten die Kalkplatte mit dem Archäopteryx aus. Durch ihre Möglichkeiten der Altersbestimmung von Fossilien konnte der Archäopteryx im Jura eingestuft werden. Die Paläontologie wiederum ist eine Spezialwissenschaft der Biologie. Die Biologie ist die Wissenschaft, die sich mit den Erscheinungsformen lebender Systeme befasst. Sie gliedert sich in drei große Teilgebiete auf. Die Anthropologie ist die Wissenschaft vom Menschen. Die Botanik beschäftigt sich mit Pflanzen. Die Zoologie befaßt sich mit Tieren.

 

 

Gleich zwei der Teilgebiete beschäftigte der Archäopteryx. Zunächst die Zoologen, aber betreffs pflanzlicher Fossilien aus dieser Zeit auch die Botaniker. In Solnhofen wurden bisher relativ wenige Fossilien mit pflanzlichen Resten geborgen. Die wenigen Hinweise auf dortige Landpflanzen erkannten die Botaniker als Nadelholzgewächse und strauchartige Gewächse. Brachyphyllum hieß die strauchartige Pflanze, die an die salzhaltigen Böden der Küste angepasst war. Palaeocyparis war eine altertümliche Zypressenart. Zypressen gehören zu den Nadelbäumen. Von anderen Fossilfundarten ist bekannt, dass im Jura die Nadelbäume vorherrschten. Die Erkenntnisse der Botaniker sind nicht unerheblich. Denn wieso sollte der Archäopteryx auf einen Baum klettern, wenn es zu dem Zeitpunkt gar keine Bäume gegeben hat?

 

 

Doch damit nicht genug. Andere Spezialwissenschaften der Biologie sind die Morphologie, Anatomie, Ethologie, Biogeographie und die Phylogenie. Und all diese Spezialgebiete hat der Archäopteryx reichlich beschäftigt, obwohl er bestimmt noch nichts von Arbeitsbeschaffungs-maßnahmen wußte. Es wurde auch festgestellt, dass die Erstellung eines Modells des Archäopteryx´ ohne die Morphologie und Anatomie nicht möglich gewesen wäre. Die Morphologie oder Gestaltlehre beschreibt die äußere Körpergestalt, die Anatomie den inneren Aufbau eines Lebewesens. Da beim Archäopteryx keine Weichteile erhalten waren, fehlten die Organe, die die Morphologen und Anatomen durch ihre Modellreihen rekonstruieren konnten. Und innerhalb der Morphologie gibt es wieder ein Spezialgebiet, die vergleichende Morphologie, auch als Typologie bezeichnet. Der Skelettvergleich zwischen Archäopteryx, Flugsauriern, Compsognathus, Vögeln oder Fledermäusen ist eine Arbeitsmethode der vergleichenden Morphologie, um verwandtschaftliche Beziehungen zwischen diesen Tieren herauszufinden.

 

 

Die Ethologie ist die Verhaltensforschung. Die Ethologie untersucht Formen und Gesetzmässigkeiten des arttypischen Verhaltens bei Tieren. Aufgrund der Erkenntnisse der Morphologie, Anatomie und Phylogenie können Ethologen Aussagen treffen, welches Verhalten der Archäopteryx wahrscheinlich gehabt hat. Die Vermutung, dass der Archäopteryx auf Bäumen lauerte, um sich auf Beutetiere am Boden zu stürzen, beschreibt ein Verhalten des Urvogels. Vermutlich wird der Archäopteryx bei Gefahr aus der Luft am Boden Deckung gesucht haben. Kam die Gefahr von unten, wird er auf Bäume geflüchtet sein. Das sind Verhaltensweisen, die man von Tieren ableiten kann, die heute leben. Auch wenn die Ethologen den Archäopteryx nicht beobachten konnten, können doch Verhaltensweisen mit großem Wahrscheinlichkeitswert rekonstruiert werden.

Die Biogeographie setzt sich aus zwei Worten zusammen: Bio für Biologie und Geographie, also Erdkunde. Die Biogeographie ist also zwischen diesen zwei eigenständigen Wissenschaften angesiedelt. Sie besteht ebenfalls aus zwei Gebieten, die Tier- und die Pflanzengeographie. Die Pflanzengeographie gliedert sich in weitere Spezialgebiete auf, unter anderem in die historische Pflanzengeographie. Dieses Gebiet ergründet die Verbreitung der Pflanzen früherer erdgeschichtlicher Zeiten. Auch wenn in Solnhofen selbst nur wenige Fossilien mit terrestrischen Pflanzen gefunden wurden, kann die historische Pflanzengeographie darüber Auskunft geben, welche Pflanzen wo und wann gewachsen sein müssen.

 

 

Die Solnhofer Fossilien sind hauptsächlich maritimer Art. Der Archäopteryx lebte aber auf dem Festland. Fehlen entsprechende Fossilfunde, heißt es nicht, dass der Archäopteryx der alleinige Bewohner des Festlandes war. Die Tiergeographie weiss, wie sich die Tierwelt geographisch ausbreitete und wo ihre räumlichen Abgrenzungen waren. So kann sie darüber Auskunft geben, wer die Zeitgenossen des Urvogels waren. Eine der Erkenntnisse von Darwin beschrieb die Separation. Die Tiergeographie beschäftigt sich besonders intensiv mit Tiergruppen in geographisch isolierten Gebieten wie beispielsweise Australien, Neuseeland oder Madagaskar. Dadurch liefert sie wichtige Erkenntnisse für die Evolutionsforschung.

 

 

Die Phylogenie schließlich befasst sich mit der Stammesentwicklung. Sie versucht, Lebewesen sinnvoll einzuordnen, um die ungeheuere Zahl der Lebensformen übersichtlich zu machen. Die kleinste Einheit ist die Art. Die Lebewesen einer Art gleichen sich in ihrem äußeren und inneren Körperbau und können sich vermehren. Ihre Nachkommen sind artgleich und fruchtbar. Arten, die sich nur wenig voneinander unterscheiden, werden zu Gattungen zusammengefasst. Ähnliche Gattungen bilden wiederum Familien. Das geht so weiter, bis die gröbste Unterscheidung erreicht ist, die Einteilung in das Tierreich oder Pflanzenreich. Bei solchen Eingruppierungen soll aber nicht nur für Übersichtlichkeit gesorgt werden. Denn dadurch werden auch entwicklungsgeschichtliche Beziehungen der Lebewesen zueinander hergestellt. Durch die Paläontologie bekommt die Phylogenie Hinweise auf die Evolution der Lebensformen und kann so Stammbäume entwickeln. Diese Stammbäume verdeutlichen, aus welcher Tiergruppe sich die nächste entwickelt hat oder welche Tiere enge verwandtschaftliche Beziehungen haben.  

Ein kleiner taubengroßer Vogel, der nicht einmal ganz Vogel war, schaffte es, zig  Wissenschaften nachhaltig zu beschäftigen. Damit hatte der Archäopteryx bestimmt nicht gerechnet. Und hätte er seine Berühmtheit geahnt, wäre er vermutlich vor Schreck ausgestorben.

Ach so – das ist er ja auch so!


 

Von wem stammt der Archäopteryx nun aber ab?

 

Obwohl nun so viele Wissenschaftler sich intensiv mit dem Archäopteryx beschäftigt haben, wird es letztendlich erst dann endgültige Klärung geben, wenn weitere Fossilien, möglichst Mosaikbindetiere, gefunden werden. Als ziemlich gesichert gilt aber, dass der Archäopteryx aus den Dinosauriern entstanden ist.

Aller Wahrscheinlichkeit nach waren seine direkten Vorfahren kleine fleischfressende Dinosaurier, zu denen auch der Compsognathus gehörte. Daher kommt diese kleine Echse als Vorfahre in Betracht, obwohl er zur gleichen Zeit lebte.

Allerdings gab es noch andere Dinosaurier, die dem Compsognathus ähnlich waren.

Zum Beispiel lief der Saltopus , der im Obertrias in Europa lebte, ebenfalls auf zwei Beinen. Auch er hatte eine Vorliebe für Insekten und kleine Echsen. Und wie der Compsognathus war er ein kleiner, flinker Räuber. Seine Größe entsprach ungefähr dem Compsognathus.

 Rekonstruktion Saltopus

Dann gab es noch die Familie der Ornithomimidae, was übersetzt soviel heißt wie Vogelnachahmer. Es waren größere Dinosaurier von drei bis vier Metern. Sie ähnelten in ihrer Gestalt dem Straußenvogel. Ihre Lebensweise entsprach ebenfalls dem heute noch lebenden größtem Vogel.

Im Gegensatz zu den anderen Dinosauriern besaßen die „Vogelnachahmer“ keine Zähne und einen vogelähnlichen Schnabel. Auch ihre großen Augen und das umfangreiche Gehirn waren sehr vogelähnlich. Sie scheiden dennoch als Vorfahre der Vögel aus. Aber nicht wegen ihrer Größe. Denn es gab auch sehr große Vögel. Der Strauß ist einer dieser rezenten Vertreter.

Bisher wurden die Fossilien der Ornithomimidae nur in Nordamerika, Asien und Afrika geborgen, nicht aber in Europa. Den Urvogel fand man in Deutschland. Das wäre aber auch noch kein überzeugendes Argument gegen sie als Vorfahre der Vögel. Zumindest der großen Vogelarten. Denn  die lebten auch nicht in Europa. Und Fossilienfunde sind bekanntlich lückenhaft. Was dagegen spricht ist ihr zeitliches Auftreten. Sie lebten überwiegend in der Oberkreide. Laut dem Stammbaum der Vögel hatten sich die meisten heutigen Vögel bereits in der Kreidezeit explosionsartig entwickelt. Die meisten modernen Gruppen existierten bereits zu dem Zeitpunkt. Der Archäopteryx starb nach heutigem Wissen zu Beginn der Kreidezeit aus.

 

Zur Startseite

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!