archaeopteryx


 

Der Archäopteryx

 

Und da ist er endlich, der Held unserer Geschichte: der Archäopteryx. Eine der vielen geborgenen Fossilien aus den Steinbrüchen bei Solnhofen.

 

Der Berliner Archäopteryx

 

Der erste Fund 1861 löste einen immensen Streit bei den Gelehrten aus. War dieses Wesen nun ein Reptil oder ein Vogel? Der 2. Fund 1877 brachte mehr Klarheit, zumal inzwischen Darwins Lehre mehr anerkannt war. Außerdem besaß, wie bereits bemerkt, das zweite Exemplar einen Kopf. Urvogel Numero 4 ist eigentlich der erste gefundene Archäopteryx. Ihn stufte v. Meyer zunächst versehentlich als Flugsaurier ein. Der „landete“ in Holland. Den 1951 gefundenen Urvogel deutete man zunächst als Compsognathus. Erst 1973 klärte sich der Irrtum bei der Bearbeitung der Platte auf. Inzwischen sind insgesamt neun Exemplare gesichtet worden. Der 1987 gefundene Archäopteryx blieb zu Hause, im Bürgermeister-Müller-Museum in Solnhofen.

 

London Archaeoptery winganother wing

Der Londoner Archäopteryx

 

 Urvogel in Haarlem von 1855 

  Das sogenannte "Maxberger Exemplar" von 1951 aus Langenaltheim

  Der "Eichstätter", gefunden 1956 in Workerszell, im Jura Museum in Eichstätt

   Der Archäopteryx im Bürgermeister-Müller-Museum Solnhofen, Fundjahr 1987

 Archaeopteryx bavarica Der 1992 gefundene Urvogel in Langenaltheim, der in die Bayerische Staatssammlung für Paläontologie und historischer Geologie nach München kam

Arcaeoteryx lithographica und der 1997 in Workerszell gefundene Archäopteryx, der sich in Privatbesitz befindet.

Missing links

 

Charles Darwin veröffentlichte 1859 in London sein Buch: „On the origin of species by means of natural selection, or the preservation of favoured races in the struggle for life“.

 

 

Der Buchtitel heißt übersetzt: „Über Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl oder die Erhaltung der begünstigten Rassen im Kampfe ums Dasein“. Darin vertrat er die Ansicht, dass sich die Arten allmählich, fortlaufend und aufeinander aufbauend entwickelt haben.

Andere Wissenschaftler meinen aber, dass Artbildungsprozesse relativ schnell erfolgten. Anschließend gäbe es eine längere Zeit, wo diese Art unverändert besteht. Dann würde wieder eine verhältnismäßig kurze Zeitspanne eintreten, wo sich neue Arten bilden. Viele dieser Wissenschaftler sind daher von einer „Katastrophentheorie“ überzeugt. Nach dieser Theorie wurden Lebewesen durch erdgeschichtliche Katastrophen vernichtet und anschließend neue Lebensformen geschaffen.

 

Georges Baron de Cuvier (1769-1832) war ein französischer Naturforscher und vertrat die Katastrophentheorie. Als Begründer der zoologischen Paläontologie erlangte er weltweiten Ruf durch seine Rekonstruktionstechnik. Durch vergleichende Anatomie konnte er Fossilfunde rekonstruieren oder Gruppen zuordnen, auch wenn nur wenige Teile des Fossils erhalten waren. Cuvier stellte mal trocken fest: "Der Teufel ist ein Pflanzenfresser, er hat Hufe und Hörner".

 

Missing links sind fehlende Glieder in der tierischen und pflanzlichen Stammesgeschichte. Also bestätigen die Missing links die Katastrophentheorie. Fehlendes Fossilmaterial mit Zwischenstufen von Lebewesen würden einen sprunghaften Artenwandel beweisen.

Diejenigen, die Darwins Lehre anerkennen, sehen in den Missing links keinen Gegenbeweis. Sie verweisen auf Lücken in der Überlieferung. Das heißt, dass es Bindeglieder sehr wohl gäbe, aber dass man diese noch nicht fand. Oder dass sie als Fossilien nicht erhalten sind.

Der Archäopteryx war für Darwin, Wallace und ihre Anhänger ein wichtiges Beweisstück. Denn mit seinen Vogel- und Reptilienmerkmalen zeigte er genau ein derartiges Bindglied und schloss somit eine Lücke in der Evolutionsforschung.

 

Der Archäopteryx – ein echtes Mosaikbindetier?

 

Der Archäopteryx wird als Mosaikbindetier eingestuft. Mosaik: er vereinigt Merkmale verschiedener Tiergruppen in sich mosaikartig. Bindetier: er stellt eine Verbindung dar zwischen einer niederen zu einer höheren Tiergruppe. Die Mosaikbindetiere sind also Tierformen, die Merkmale von zwei oder mehreren heute scharf getrennten systematischen Gruppen in sich vereinigen. Man bezeichnet Mosaikbindetiere auch häufig als fossile Brückentiere, fossile Zwischentiere, Zwischenformen, fossile Übergangsformen, Bindeglieder oder Kollektivtypen.

Am gebräuchlichsten ist der Begriff Brückentiere. Allerdings ist der Begriff problematisch, weil er mit der Brückentheorie verwechselt werden kann. Die Brückentheorie ist ein Begriff aus der Biogeographie. Die Biogeographie befasst sich mit der räumlichen Verbreitung der Tiere auf der Erde. Und die Brückentheorie handelt von der Verbreitung der Tiere über Landbrücken. Die Brückentiere dort sind also die Tiere, die diese Landbrücken benutzten. Wird also statt fossile Brückentiere nur noch Brückentiere gesagt, weiß keiner mehr, was gemeint ist.

Zwischentiere, Zwischenformen oder Übergangsformen sind ungenau ausgedrückt. Denn wenn man die Knochen eines Mosaikbindetieres findet, zeigen die Knochen kein Zwischenstadium, keine Brücke und keinen Übergang. Sie haben die Merkmale der einen oder anderen Tiergruppe, aber nichts, was dazwischen liegt.

Mit Kollektivtypen meint man die Zusammenfassung einzelner Merkmale verschiedener Tiergruppen in einer Tierform. Aber der Begriff ist zu allgemein. Außerdem hat man in Ostdeutschland die Schnauze voll von Kollektiven. Da waren Kollektive aber Arbeitsgruppen, wo alle Mitglieder die gleiche Meinung hatten oder haben mußten. Und viele ältere Menschen in Ostdeutschland zucken bei dem Wort Kollektiv automatisch zusammen. Und ein Mosaikbindetier hat nichts mit Gleichmacherei zu tun.

Somit ist der Ausdruck Mosaikbindetier eigentlich am treffendsten. Aber er setzte sich nicht durch, weil die Deutschen sich nicht auf einen verbindlichen Begriff einigen konnten. Jeder Wissenschaftler beharrte auf seine Bezeichnung, kochte sein eigenes Süppchen. So benutzen inzwischen viele Leute lieber den englischen Begriff Connecting links, wo sie nicht erst diskutieren müssen, was sie meinen.

Wenn der Archäopteryx wirklich der Urvogel ist, sich also aus ihm die Vögel entwickelt haben, dann ist er ein echtes Mosaikbindetier. Es gibt aber auch Wissenschaftler, die daran zweifeln. Ihrer Meinung nach sei der Archäopteryx ausgestorben ohne der direkte Vorfahre der heutigen Vögel zu sein. In dem Falle wäre er ein Mosaiktier, weil er Merkmale zweier Tiergruppen aufweist. Dann wäre er kein Mosaikbindetier, weil sich aus ihm keine neue Tiergruppe entwickelt hätte. Der Ichthyostega ist eine Amphibie mit Fischmerkmalen. Er gilt als echtes Mosaikbindetier. Aus ihm haben sich alle Amphibien entwickelt.

ichthyostega

Das früheste bekannte Landwirbeltier war die Amphibie Ichthyostega. Ichthyostega besaß noch eine Schwanzflosse und hatte Überreste von Schuppen in der Haut.

Modell der Uramphibie

 

Der Ichthyosaurus dagegen ist ein fossiles Mosaiktier. Die Fischechse hat Merkmale vom Fisch und vom Reptil. Flossenähnliche Gliedmaßen, nach innen geformte Schwanzflosse, lebendgebärend und ständig im Wasser lebend zeigt er Fischmerkmale. Vom Reptil hat er die nackte schuppenlose Haut, die Schwanzwirbelsäule und das fünfgliedrige Fingerskelett. Die anfängliche Freude, ein Mosaikbindetier gefunden zu haben, wurde enttäuscht. Denn der Ichthyosaurus stellt keinen Übergang zu einer weiterentwickelten Tierform dar. Er machte eine rückläufige Entwicklung. Als Kriechtier auf dem Land kehrte er ins Meer zurück. Außerdem tauchten bereits im Karbon amphibienähnliche Reptilien auf, der Ichthyosaurus aber erst im Trias. Die Entwicklung zum Reptil verlief über die Amphibie und nicht über den Fisch.

 

 

Fossiler Fund und Modelle des Ichthyosaurus

 

Es gibt auch rezente Mosaiktiere. Die Brückenechse ist ein lebendes Fossil, weil sie der einzige Vertreter der ausgestorbenen Ordnung der Sphenodonta ist.

 

 

Als Kriechtier besitzt sie kein Begattungsorgan und der Kloakenspalt ist quergerichtet. Demnach ist das lebende Fossil auch ein Mosaiktier. Sie lebt auf Inseln vor Neuseeland und steht unter strengstem Natur- und Artenschutz.

 

 

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