ausflug


 

Zeit für einen Ausflug

 

Als Hedya mich fragte, ob ich ihr bei einem Referat helfen kann, wollte ich zuerst nicht. Wieso sollte ich auch? Aber das Thema des Referates war überaus spannend. Also machte ich doch mit, aber nur unter der Vorraussetzung, dass es auch mein Referat ist.

Vor zwei Jahren fuhren wir in das Altmühltal. Ich hatte gehört, dass es dort Steinbrüche gibt, wo man gegen einen geringen Eintrittspreis selber nach Fossilien suchen kann. Mir war dazumal bekannt, dass im Altmühltal der Archäopteryx gefunden wurde. Nachdem ich meine Eltern genug abgenervt hatte, fuhren wir endlich hin und verbrachten dort einen ganzen Tag. Meine Geschwister waren allerdings weniger von dem Ausflug begeistert, machten dann aber doch mit. Gegen eine Ausleihgebühr erhielten wir Werkzeug, Hammer und Flachmeißel, um die Platten abzuklopfen und zu trennen. Ein echt mühseliges Geschäft! Zwischendurch regnete es immer wieder ganz kurz. Dadurch wurde der Lehm zwischen den Platten schmierig und in kürzester Zeit sahen wir alle aus wie Ferkel nach einem ausgiebigen Schlammbad. Für einen solchen Ausflug sollte man nur Klamotten und Schuhe anziehen, auf die man keinen Wert mehr legt.

1. Tag - Dotternhausen - Gruppe im Ölschiefernsteinbruch

Natürlich wollte ich ein weiteres Exemplar vom Archäopteryx finden. Aber nicht einmal ein Ammonit ließ sich blicken. Doch dann wurde ich endlich fündig. Meine Platte zeigte den Abdruck von einer Pflanze, die aussah wie ein Farn. Pech gehabt!

Dendriten aus Triphylin

 

 

Photo

Es war keine Pflanze, sondern ein Dendrit. Dendriten sind keine Versteinerungen von Pflanzen. Lange nach Entstehung der Plattenkalke lief Wasser in und zwischen die Kalkschichten. Das Wasser war mineralhaltig. Mineralien sind anorganische (also weder pflanzliche noch tierische) Stoffe. Sie haben sich natürlich gebildet und sind ein Bestandteil der Erdkruste und praktisch überall in größeren oder kleineren Mengen vorhanden. Mangan und Eisen sind Metalle. Im Wasser gelöst wurden sie in die Kalkschichten geschwemmt. Dort kristallierte das mineralhaltige Wasser. Diese Kristalle sind die Dendriten. War das Wasser mehr eisenhaltig, bildeten sich braune Dendriten, war es mehr manganhaltig, sehen die Dendriten schwarz aus. Die Dentriten erzeugen, je nach Wasserverlauf- und menge, sehr kleine bis großflächige Muster auf den Kalkplatten. Diese Muster ergeben richtige Bilder, die an Farne, Moose oder Gräser erinnern. Bevor ich mit leeren Händen nach Hause fahre, gebe ich mich notfalls auch mit diesen Scheinfossilien zufrieden. Und alt sind die Dendriten auch, wenn auch nicht so alt wie das Gestein, auf dem sie sich gebildet haben.

Allerdings stellte ich später fest, dass ich doch echte Fossilien gefunden hatte. Nachdem ich meine Platten abwusch und noch einmal genau absuchte, fand ich zahlreiche Abdrücke von Seelilien, Muscheln und anderen Kleinstlebewesen.

Aber selbst gesuchte Fossilien zu erkennen, ist sehr schwer. Die Fossilien, die verkauft werden, sind bereits bearbeitet und gereinigt. Und diejenigen, die sie fanden, haben berufsmäßig ein geschultes Auge für sie.

Später hat mir mein Großvater einen Ammoniten geschenkt. Er ist auf einem bearbeiteten und geschliffenen Stein zu sehen. Dieser Stein heißt Treuchtlinger Marmor. Das ist aber eigentlich irreführend. Denn der Treuchtlinger Marmor ist kein Marmor, sondern normaler Kalkstein. Weil er aber  aussieht und sich genau so bearbeiten läßt wie Marmor, trägt er diesen Namen. Der Treuchtlinger Marmor ist auch in seinen Schichten viel dicker als die anderen Plattenkalke.

Mein geschenkter Ammonit ist für mich ein wichtiges Andenken, weil mein Großvater inzwischen gestorben ist. Trotzdem würde ich gerne selber einen Ammoniten finden.

Wäre mein Großvater noch am Leben und jünger, wäre er mit mir mit Sicherheit in die Steinbrüche gefahren. Denn er war Geschichtslehrer und hatte großes Interesse an Erdgeschichte, Fossilienkunde, Archäologie und Steinen. Schade! Daraus wird nichts mehr. Also muss ich meine Mutter abnerven, damit wenigstens sie mal wieder mit mir zum Altmühltal fährt.

Allerdings würde ich auch nicht „Nein“ sagen, wenn ein Lehrer rein zufällig auf die Wahnsinnsidee käme, einen Ausflug in das Altmühltal zu einem Steinbruch zu planen. Das wäre echt cool.

 

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