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Erste Spur: eine Feder

 

Im Jahre 1860 fand ein Michael Kohler bei der Arbeit einen Federabdruck zwischen zwei Kalkplatten. Ihm gehörte ein kleiner Steinbruch bei Solnhofen. Auch als Laie war ihm sofort die Besonderheit seines Fundes klar. Sein Enkel Martin besuchte eine Oberschule in Eichstätt. Er beschäftigte sich viel mit Fossilien in dem Steinbruch seines Großvaters. Daher begriff er ebenfalls, dass dieses Fundstück etwas ganz Besonderes war. Er brachte die kleinen Platten sofort zu seinem Lehrer Pater Bayr. Denn von ihm wusste er, dass es zu der Zeit, aus der die Fossilie stammte, keine Vögel gab. Pater Bayr, der Hermann von Meyer kannte, zeigte unverzüglich diesem die Feder.

 

Hermann von Mayer hatte in Heidelberg und München Naturwissenschaften studiert. Als Paläontologe genoss er großes Ansehen. Dieser prüfte eingehend den Fund und stellte die Echtheit der Platten fest. Und zweifelsfrei – es war wirklich eine Vogelfeder. Herrmann von Meyer nahm die beiden Platten nach München mit, um sie dort anderen Paläontologen vorzustellen. Der Fund eines Federabdruckes erregte dazumal großes Aufsehen.

 

 

Denn Vogelfossilien sind nur schwer zu finden, auch in jüngeren Schichten. Es liegt am Aufbau der Vögel. Vögel gehören der Klasse der Wirbeltiere an. Sie sind in der Mehrzahl flugfähig. Heutige Vögel besitzen zahnlose Kiefer. Von den vier Gliedmaßen sind die vorderen zu Flügeln umgebildet, die hinteren sind zum Laufen, Sitzen oder auch Schwimmen geeignet. Mittelfuß- und ein Teil der Fußwurzelknochen sind zum Laufbein verschmolzen. Das Brustbein flugfähiger Vögel weist als vergrößerte Ansatzfläche für die Flugmuskulatur einen Kamm auf. Ein Teil der Knochen des Vogelskeletts ist in Anpassung an das Flugvermögen hohl und mit Luft gefüllt.

Aber genau wegen der hohlen Knochen und der Feinheit des Vogelskeletts werden nur sehr selten fossile Funde dieser Tierart gemacht. Beispielsweise ein hoher Druck von Gesteinen zerstört das Skelett.   


 

 

Der Fundort

 

 

Die Gesteinsart spielt eine wichtige Rolle, ob man Fossilien findet oder nicht. Erstarrungsgestein ist zum Beispiel zu 99,99 % fossilleer. Hohe Temperaturen und starker Druck zerstören die Fossilien. Auch in groben Sedimenten wie Gerölle oder groben Sandsteinen wird man nur selten fündig. Dazu kommt, daß Gerölle oftmals weite Wege zurücklegen und Fossilien dadurch zerrieben werden. In Sedimentgesteinen wie Schieferton, Kohle, Sand- oder Kalkgestein ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, Ablagerungen zu finden. Optimal sind sehr feinkörnige Sedimente, wie zum Beispiel im Küstenbereich der Meere. Hier deckt der Schlick schnell Tier- oder Pflanzenreste zu und schließt sie somit von der Luft ab. Dadurch wird die Verwesung aufgehalten.

Michael Kohler fand seinen Federabdruck im Steinbruch bei Solnhofen. Solnhofen liegt im Altmühltal in der südlichen Frankenalb, also mitten in Deutschland. Berge, Wälder, Wiesen, Felder und das Flüsschen Altmühl prägen die Landschaft. Wenn dort Vögel in den Bäumen zwitschern, Enten in der Altmühl schwimmen und Raubvögel über einer Wiese kreisen, könnte man schon glauben, dass hier die Wiege aller Vögel stand. Derart oberflächlich betrachtet, erliegt man aber sehr schnell Irrtümern. Außerdem erklärt es nicht die Besonderheit von Solnhofen, warum hier der älteste Federabdruck gefunden wurde und nicht woanders.


 

Der Schatz von Solnhofen

 

Etwas besonderes sind die dortigen zahlreichen Steinbrüche. Sie sind die Schatztruhe des Altmühltals. Aber kein Gold, keine Edelsteine werden dort gewonnen, sondern auf den ersten Blick eher unscheinbare steinerne Platten. Diese sogenannten Plattenkalke baute man bereits zur Römerzeit, wie auch heute, in Handarbeit ab.  Die Römer schätzten die Plattenkalke als vielseitiges Baumaterial, zum Beispiel für Bodenbeläge, Fassadenverkleidungen, Fensterbänke und vieles mehr. Früher deckte man sogar mit ihnen Dächer.

Plattenkalke unterschiedlicher  Lagen zeigen verschiedene Farben wie gelblich, rötlich oder blaugrau. Bildhauer nutzen das vielseitige Gestein für kunstvolle Halbreliefs wie zum Beispiel Inschriftentafeln, Medaillen, Altarbilder oder Grabdenkmäler, denn die Plattenkalke sind höchstens 30 cm dick, sodass daraus keine Vollplastiken erstellt werden können.

 

Der „Pappenheimer Altar“ im Eichstädter Dom

 

Schließlich entdeckten Maler, daß die Plattenkalke auch geeignet sind für ein Druckverfahren, nämlich der Lithographie, mit dem sie ihre Werke preiswert vervielfältigen konnten. Der von H. von Meyer beschriebene Federabdruck war aber der Beginn eines weltweiten Rufes, den Solnhofen erreichen sollte, sodass der Name dieses Ortes heute in keinem Lexikon mehr fehlt.

 

 

Hermann von Meyer (geb. 3.9.1801 in Frankfurt; gest. 2.4.1869) wertete die Fossilie als erster wissenschaftlich aus und deutete den Fund richtig. Er war sich sofort darüber im Klaren, welche Bedeutung dieses Fundstück hatte und machte den Fund in der Fachwelt bekannt. (Weitere Informationen: http://www.beepworld.de/members83/solnhofen/hermannvonmeyer.htm und http://images.google.de/imgres?imgurl=http://kerling-web01.shacknet.nu/fossiliensammlung/solnumg.jpg&imgrefurl=http://kerling-web01.shacknet.nu/fossiliensammlung/tour98.htm&h=430&w=728&sz=38&tbnid=X6xB1KAWtvUJ:&tbnh=82&tbnw=139&hl=de&start=3&prev=/images%3Fq%3DKarte%2Bsolnhofen%26svnum%3D10%26hl%3Dde%26lr%3D%26sa%3DG )

1862 veröffentlichte Herrmann von Meyer in einem seiner Werke die Feder aus dem Solnhofer Steinbruch

 

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