spurensuche


 

Spurensuche

 

Die Frage, die sich am meisten aufdrängt, ist natürlich die, ob der Archäopteryx der Vorfahre der heutigen Vögel gewesen sein könnte. Mit den derzeitigen Fossilien läßt sich die Frage nicht beantworten. Und die Chance, in absehbarer Zeit mehr Fossilien zu finden, dürfte ausgesprochen gering sein. Aber es könnte ja sein, dass der Urvogel Spuren hinterließ.

 

Eigenartige Trinkgewohnheiten

 

Dass der Archäopteryx der Vorfahre der Elefantenvögel war, ist schwer zu glauben. Eher vorstellbar wäre er als Urahn der Hühner- und Taubenvögel oder Eulen. Die Dronte oder Dodo erreichte eine beträchtliche Größe und wirkte äußerlich wenig wie eine Taube. Aber sie war flugunfähig. Unsere Haus- oder Brieftauben dagegen sind meisterhafte Flieger. Sie stammen von der Felsentaube ab. Der Archäopteryx müßte die Größe der Felsentaube gehabt haben. Aufgrund der ähnlichen Körpergröße wird das Skelett des Urvogels meistens mit dem der Taube verglichen. Ferner lebte der Archäopteryx in einer Lagunenlandschaft. Zwar auf dem Festland, aber in Wassernähe. Wobei er sich nicht auf das Wasser spezialisierte beispielsweise durch Fischfang. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass er geschwommen oder getaucht wäre. Sein Körperbau war eindeutig an ein Landleben angepaßt.

Da seine Fossilien bisher in einem sehr engen Umkreis gefunden wurden, könnte es sein, dass er ein Standvogel war, also seinen Lebensort nicht woanders hin verlegte. Die Felsentaube lebt an den Mittelmeerküsten und nur vereinzelt im Binnenland. Das heutige Mittelmeer ist zwar nicht mit dem Tethys-Meer vergleichbar. Aber Solnhofen liegt näher am heutigen Mittelmeer wie beispielsweise am Indischen Ozean. Aber auch die Taube paßte sich nicht an das Wasser an. Freiwillig würde sie nie schwimmen oder tauchen. Allerdings benötigt sie viel Trinkflüßigkeit zum Aufweichen ihrer Nahrung. Andere Vögel wie die Hühner schöpfen Trinkwasser mit dem Unterschnabel. Dann heben sie den Kopf und lassen das Wasser in den Schlund fließen. Die Felsentaube kann aber Wasser durch ihren Schnabel einsaugen. Denn die Nasenlöcher werden, wie beispielsweise bei Krokodilen, durch knorplige Schuppenklappen verschlossen. Ihre Flüßigkeitsaufnahme erinnert also an Reptilien.

Sie brütet in Felsspalten und -nischen, weshalb sie auch ihren Namen erhielt. Ihr Nestbau ist eher schlampig und besteht aus einem kleinen Haufen Pflanzenteile. Die Nahrung besteht aus Sämereien, aber sie frißt auch ohne weiteres Schnecken. Somit ernährt sie sich nicht nur pflanzlich. Und sie ist kein Zug-, sondern ein Standvogel.

Woher stammt die Orientierungsfähigkeit der Brieftauben? Wäre es für diese Vögel tödlich gewesen, in grauen Vorzeiten die Orientierung zu verlieren? Weil der Weg zur nächsten Insel nicht zu weit sein durfte? Es wäre Unsinn, zu behaupten, die Felsentaube stamme vom Archäopteryx ab. Aber es existieren bemerkenswerte Ähnlichkeiten zwischen diesen beiden Vögeln.

Das ist "Riesopusornis"; würden Tauben heute so aussahen, wüsste man genau, von wem sie abstammen.


Eine Spur zum Huhn

 

Zur Ordnung Hühnervögel gehören zahlreiche Familien mit etwa 240 Arten und vielen Unterarten.   Die meisten Hühnervögel sind Bodenvögel, auch unser Haushuhn. Mit seinen kräftigen Beinen kann es sehr schnell laufen. In Gefahr flüchtet es flügelschlagend in der Regel zu Fuß. In ärgster Not fliegt es auf, legt aber fliegend nur kurze Strecken zurück. Das Haushuhn ist, wie viele andere Hühnervögel, ein schlechter Flieger. Betreffs der Flugkünste würde sich Archäopteryx bei unseren Haushühnern sehr wohl fühlen.

Haushühner sind in der Regel wasserscheu. Ernährungsmäßig vertilgen sie so ziemlich alles. Können sie halbwegs artgerecht leben, scharren sie unaufhörlich im lockeren Boden nach Würmern, Käfern, Engerlingen, Kleintieren und Samen. Mit diesem Speisezettel wäre vermutlich der Urvogel auch einverstanden gewesen.

Die Haushühner wurden aus dem ostasiatischen Bankivahuhn herausgezüchtet.

Dieses Huhn ist wie die meisten seiner zahlreichen Verwandten ein Waldbewohner. Größenmäßig gibt es viele Arten der Hühner, die dem Archäopteryx entsprechen. Aber solche Beschreibungen passen auf viele Vögel, nicht nur auf Hühnervögel. Das alles erklärt noch keine Spur vom Archäopteryx zum Huhn.

Aber in Südamerika lebt ein Huhn, dass eine Besonderheit aufweist. Das Schopfhuhn namens Hoatzin ist ebenfalls ein Waldbewohner.

Allerdings ernährt es sich überwiegend von harten Blättern. Am erwachsenen Huhn wird man das Besondere kaum entdecken. Aber seine Küken, die sich im Unterholz des Waldes aufhalten, können klettern.

Sie besitzen an jedem ihrer Flügel bewegliche Finger. Bei erwachsenen Tieren sind diese Finger zu warzenähnlichen Vorsprüngen verkümmert und unter dem Federkleid optisch verschwunden.


Nächste Spur zum Waldkauz

 

Der Waldkauz gehört zu der Ordnung Eulenvögel, zu der man 134 Arten zählt. Er ist ein Waldvogel, gibt sich keine Mühe beim Nestbau und ernährt sich von größeren Insekten, kleinen Vögeln und Säugetieren. Er ist etwas größer und kräftiger als die Felsentaube. Außerdem ist er ein Standvogel. Aber damit sind die Ähnlichkeiten zum Archäopteryx bereits beendet.

Denn der Waldkauz fliegt nicht nur ausgezeichnet, sondern auch geräuschlos. Vom Laufen hält er nicht viel. Betrachtet man die äußere Erscheinung des Nachtvogels, wirkt sein Körper recht langgezogen, fast plump, und die Beine auffallend kurz.

Sein großer, dick wirkender Kopf mit dem stark gekrümmten Schnabel hat absolut nichts echsenartiges. Und seine Küken können auch nicht klettern und haben keine Finger. Also wo hat der Waldkauz seine Spur zum Archäopteryx versteckt?

Bei ihm die Spur zu finden, ist ziemlich schwierig. Da muß man in die Zeit vor seiner Geburt zurückgehen. Während der Waldkauz sich in seinem Ei von der Keimzelle zum Küken entwickelt, also noch ein Embryo ist, verändert er ununterbrochen seine Gestalt. Bis er endlich aussieht wie ein Waldkauzküken. Und als Embryo hat er in einer Entwicklungsphase einen Schwanz. Dieser Schwanz hat nicht nur eine ausgeprägte Schwanzwirbelsäule. Der Schwanz zeigt deutlich rechts und links Anlagen für Federn. Der Archäopteryx läßt grüßen.


 

Die Waldkauzspur führt weiter

 

In der Evolution veränderten sich die Lebewesen. Also mussten in den Erbanlagen neue Informationen gespeichert werden, damit es zu den Mutationen kam.

Wären die Erbanlagen Computer, würde man also neue Programme installieren oder verändern und Dateien, die nicht mehr benötigt werden, rausschmeißen oder löschen. Manchmal vergisst man aber, unnötige Dateien zu löschen oder sie sind auf der Festplatte an Stellen verschoben worden, die man nicht mehr findet oder beachtet. Oder man traut sich nicht, sie zu löschen, weil man nicht weiß, ob der Computer oder ein Programm sie noch braucht. Man will nicht das Risiko eingehen, dass der Computer abstürzt. Arbeitet man aber sehr lange mit dem Computer, wird die Festplatte immer voller, weil man entsprechend viele Altdateien mitschleppt. Zwischendurch reinigt man also die Festplatte, übersieht dabei aber wieder irgendwelche überholten Dateien.  Manchmal spinnen dann auch Programme, weil die alten Dateien auf sie einwirken. Nicht immer kauft man seinen Computer neu. Und der Vorbesitzer kann auch schon alte Dateien übersehen haben. Durchforstet man nach Jahren seinen Computer und sieht sich diese alten Dateien an, werden sie manchmal nachträglich höchst spannend und interessant. Denn wir erhalten plötzlich wieder Informationen, die wir schon lange vergessen hatten. 

Die Erbanlagen steuern die embryonale Entwicklung eines Lebewesen. Der Embryo durchläuft also Programme seiner Art, die die Erbanlagen ihm anzeigen. Er macht jetzt in seiner Entwicklung nicht die gesamte Evolution von der Urzelle über Weichtier, Fisch, Amphibie usw. bis zu seinem jetzigen Zeitpunkt und Entwicklungsstand durch. Aber er bekommt eben auch Informationen von „überholten“ Dateien. Das sind Dateien aus seiner Vergangenheit, aus seiner Geschichte, aus seiner Evolution. Der Waldkauz spult also in seiner embryonalen Entwicklung eine alte Datei ab. Gewissermaßen eine Datei von dem Vorbesitzer des Computers. Und der Vorbesitzer installierte zu seiner Zeit ein Programm, zu dem eine Datei gehörte, die einen Schwanz beinhaltete, der sehr dem Archäopteryx ähnelt. So etwas passiert oft in der embryonalen Entwicklung eines Lebewesens. Embryos durchlaufen also häufig in ihrer Entwicklung Phasen, die aus ihrer Evolution stammen. Und für die interessieren sich die Forscher mächtig, weil es dadurch manchmal gelingt, etwas von den Ahnen oder „Vorbesitzern“ zu erfahren.

1. Beispiel: Entwicklung des Vogelflügels:

Im Laufe der Embryonalzeit verändert sich das Flügelskelett des Vogels. Anfangs sind klar die Fingerglieder erkennbar. Das ist  die Gliedmaße eines Reptils. Hier wird die Entwicklung einer Vordergliedmaße eines Reptils gezeigt, das durch Verschmelzen der Knochen sich schließlich zu einem richtigen Flügel umformt. Ein Prozeß, der vermutlich Millionen Jahre in Anspruch nahm, wird in der Embryonalzeit in wenigen Tagen wiedergespiegelt.


2. Beispiel:

Die Entwicklung des Vogelbeines weist erhebliche Differenzen auf. Im linken Bein des Embryos existiert noch ein Wadenbein, was im rechten Bein des erwachsenen Vogels mit dem Schienbein verwachsen ist. Die Mittelfußknochen des linken Beines sind später zum Lauf verschmolzen. Die hintere Zehe steht noch nach vorn. Die embryonale Entwicklung der Beinknochen verweist ebenfalls auf die Urahnen der Vögel.


 3. Beispiel: ein Schwein ist ja auch nur ein Mensch

 

 


Die Länge der Embryonen ist zur besseren Vergleichbarkeit auf diesselbe Größe gebracht worden.

Nun stellt sich die Frage: wer ist wer? Die Embryonen von Wirbeltieren in vergleichbaren Entwicklungsstadien sind in der ersten Phase in ihrer Grundgestalt kaum zu unterscheiden. In dieser Phase haben alle Kiemenbögen, obwohl Schildkröte, Vogel, Schwein und Mensch Kiemen bekannterweise nicht benötigen und nach ihrer Geburt auch nicht haben. Bei allen Embryonen ähneln die Extremitäten anfangs Flossen. Und alle haben die Anlage für einen Schwanz. Das beweist, dass die Evolution der Tiere, auch des Menschen, von Lebensformen abstammen, die ursprünglich im Wasser lebten.

Über die Erforschung der Embryonen kann man also Spuren der Evolution finden und damit auch Spuren zum Archäopteryx.

 

Und was haben wir aus diesem Referat gelernt?

 

Linné, Cuvier und Lamarck waren hervorragende Naturforscher ihrer Zeit und haben viel für die Naturwissenschaften geleistet, was teilweise noch heute Gültigkeit besitzt. Dennoch irrten sie in Kernaussagen.

 

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