vergleiche


 

Skelettvergleich

 

 

Betrachtet man nur oberflächlich das Skelett des Archäopteryx mit einem rezenten Vogel, hier das Skelett einer Taube, weist der Archäopteryx erhebliche Abweichungen auf. Rezent bedeutet heute noch lebend. Der 1951 gefundene Urvogel wurde zuerst versehentlich als Compsognathus eingestuft. Der Compsognathus lebte als Zeitgenosse vom Archäopteryx. Er war ein kleiner fleischfressender Dinosaurier und lief auf seinen zwei Hinterbeinen aufrecht. Doch auch sein Skelett unterscheidet sich massiv vom Archäopteryx.

 

 

Im Vergleich zum Skelett der Taube kann man nicht nur feststellen, dass der Schädel vogelartig war, sondern dass die Augenhöhlen ebenfalls vogelähnlich groß waren und der Archäopteryx einen Skleralring besaß. Auch die Taube besitzt drei Fingerglieder, bei ihr sind sie aber verwachsen. Der Urvogel hatte auch ein Arm- und Beinskelett, dass eher für heutige Vögel typisch ist. Schultergürtel und Gabelbein sprechen auch für die Vogelzugehörigkeit, genauso die Füße, weil die erste Zehe den anderen gegenübergestellt war.

 

Skelett einer Taube

  Zum Vergleich das Skelett einer Taube

 

Im Vergleich mit dem Skelett des Compsognathus fallen sofort die Kegelzähne des Archäopteryx auf, die für ein Reptil sprechen. Aber auch die Voraugenhöhle und Nasenöffnung des Urvogels waren reptilartig. Durch die hintere Schädelform müßte der Urvogel ein kleines Kleinhirn und einfaches Gehirn gehabt haben. Wie der Compsognathus besaß der Archäopteryx Rippen ohne Versteifungsfortsätze, Bauchrippen, nicht verwachsene Beckenknochen, ein kleines, flaches Brustbein ohne Kamm und die Schien- und Wadenbeine waren nicht verwachsen. Der Compsognathus hatte aber auch bereits vogelähnliche lange Laufbeine und die nach hinten gestellte Zehe. Die lange Schwanzwirbelsäule weist das Reptil aus, ebenso die krallenbewehrten und unverwachsenen Finger. 

 

 Skelett des Compsognathus´: 

Archäopteryx - Vogel im Flug

 

Obwohl der Archäopteryx ausreichend mit Federn ausgerüstet war, war durch sein Skelett eher ein Gleitflug möglich, vielleicht ein Flatterflug über kurze Strecken. Dagegen ist das Vogelskelett optimal für das Fliegen angepasst.

 

 

 

Herrscher der Lüfte?

 

 

Die Vorstellung, dass der Archäopteryx deswegen die Entwicklung zum Vogel gemacht hat, weil er in der Luft konkurrenzlos war, wäre logisch. Dem war nicht so. Es gab bereits Flugsaurier oder Pterosaurier. Sie entwickelten sich bereits im Obertrias, also weit vor dem Archäopteryx.

Und sie sind auch nicht vor dem Erscheinen des Archäopteryx ausgestorben, was auch eine einleuchtende Erklärung wäre. Ausgerechnet im Jura und in der Unterkreide hatten sie ihren Höhepunkt. Also zu dem Zeitpunkt, wo auch der Archäopteryx lebte.

Es gab regelrechte Riesen unter ihnen. Der Quetzalcoatlus erreichte eine Spannweite von 12 Metern.

 

Quetzalcoatlus

 

Und der Pteranodon, Zeitgenosse und ebenfalls in Europa ansässig, brachte es immerhin noch auf eine Spannweite von sieben Metern. Da war unser Archäopteryx ein ganz kleines Würstchen dagegen.

 

Der Pteranodon lebte während der Oberkreide in Europa und Nordamerika

 

Vielleicht bestand sein Vorteil in seiner geringen Körpergröße? Auch kein schlechter Gedanke, aber ebenfalls falsch. Denn der Anurognathus, selbstverständlich in der gleichen Zeit und in der selben Gegend lebend wie der Urvogel besaß eine Spannweite von nur etwa dreißig Zentimetern. Er ernährte sich vermutlich wie sein gefiederter Zeitgenosse von Insekten.

 

Der Anurognathus lebte im Oberjura in Europa. Vermutlich war er ein sehr wendiger Flieger.

 

Den Rhamphorhynchus fand man ebenfalls im Solnhofener Plattenkalk. Dieser Flugsaurier mit einer Flügelspannweite von einem Meter ernährte sich hauptsächlich von Fischen. Bei hervorragenden Fossilienfunden im Plattenkalk, die jedes Detail bis zu den Äderchen im Flügel zeigten, erkannte man im Kropf und Magen Fischreste.

 

 Den Rhamphorhynches fand man als Fossil in Europa und in Afrika. Im Solnhofener Plattenkalk wurden gleich mehrere Exemplare gefunden.

 

Der Archäopteryx war also nicht alleine. Es gab bereits lange vor ihm Lebewesen, die den Luftraum beherrschten. Fossilien von Flugsauriern fand man außer in der Antarktis weltweit. Einige Millionen Jahre lang lebten Flugsaurier und der Archäopteryx nebeneinander.

Obwohl die Flugsaurier keine Federn hatten, konnten sie dennoch fliegen. Ihre Flügel bestanden aus Haut. Sie nutzten geschickt aufsteigende Warmluft oder Luftströmungen aus für ausgiebige Gleitflüge. Wie gut sie flogen, darüber streiten sich die Gelehrten.

 

Im flugfähigen Modell eines Rhamphorhynchus bewegt ein Federmotor im Inneren des Tieres die Flügel; diese Konstruktion erlaubt die Schlußfolgerung, dass dieses Lebewesen nicht nur Gleitflüge machen konnte, sondern tatsächlich in der Lage war zu fliegen. Modelle werden nicht nur erstellt, um die Erscheinungsform eines Lebewesens herauszufinden. Durch die Verknüpfung von Modellen und Experimenten versucht man auch, wie in diesem Beispiel, mögliche Bewegungsabläufe nachzuvollziehen.

 

Manche Forscher behaupten, sie seien nur zum Gleit- und Segelflug fähig gewesen. Andere meinen, dass die Flugsaurier den Flatterflug beherrschten und auch eigenständig ohne Unterstützung etwaiger Luftströmungen auffliegen konnten. Wiederum andere vertreten die Ansicht, dass es unter den Flugsauriern sehr gute und wendige Flieger gab. Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte. So werden die Flugsaurier nicht das Flugvermögen der heutigen Vögel wie Taube, Adler, Schwalbe oder Möwe gehabt haben.

Aber betrachten wir dagegen den Archäopteryx, spricht sehr viel dafür, dass sie ihm in ihren Flugkünsten weit überlegen waren. Denn bei ihm vermutet man, dass er eher ein schlechter Flieger gewesen ist. Die Form seiner Flügel und der Aufbau der Federn spricht zwar dafür, dass er bereits aktiv fliegen konnte und somit nicht nur ausschließlich den Gleitflug beherrschte.

Der lange Schwanz, der rechts und links eine Federreihe zeigt, sorgte vielleicht für einen Auftrieb von hinten und glich damit den Auftrieb von vorne aus. Damit würde er der Balance des Vogels dienen. Andererseits hemmte er wahrscheinlich die Schnelligkeit im Flug und ging zu Lasten einer Wendigkeit. Denn zum Steuern scheint der Schwanz ungeeignet gewesen zu sein. Man glaubt, dass der Urvogel eine Richtungsveränderung im Flug durch Gewichtsverlagerung des Körpers erreichte.

Der fehlende Kamm in seinem Skellett spricht dafür, dass seine Flugmuskulatur noch nicht so ausgereift war wie bei den modernen Vögeln. So glauben Paläontologen, dass der Archäopteryx hauptsächlich im Wald lebte. Dort glitt und flatterte er von Baum zu Baum, um Insekten zu erbeuten. Landete er dabei auf dem Boden, kletterte er mit Hilfe seiner bekrallten Finger wieder empor.

 

 

 

 

Einige wenige Forscher vertreten die Meinung, dass der Archäopteryx erheblich besser geflogen sei. Denn er habe bereits das vogeltypische Gabelbein als Ansatz für die Flugmuskulatur besessen. Eins kann man jedoch feststellen: seine Flugkünste wären den Flugsauriern auch dann nicht so weit überlegen gewesen, dass er einen entscheidenden Vorteil gegenüber diesen Lebewesen besaß.

Zumal die Flugsaurier bereits über ein sehr ausgeprägtes Brustbein mit Kamm verfügten, wo entsprechende Flugmuskulatur ansetzen konnte. Gegen ihre Flugtauglichkeit sprechen eher die sehr einfach aufgebauten Flügel. Sicher ist, dass viele Flugsaurier sich von Fischen ernährten. Sie flogen zum Fischfang auch weitere Strecken über die Meere. Das belegen die zahlreichen Fossilienfunde der Flugsaurier in maritimen Sedimentsschichten.

Auch den Archäopteryx fand man in solchen Schichten. Aber er wird sehr selten gefunden. Deshalb könnte es sein, dass er keine weiteren Strecken zurücklegen konnte und an das Festland gebunden war. So nehmen Forscher an, dass der Archäopteryx zu seinen Fundstellen als Leichnam angespült wurde und nicht dorthin geflogen war.

Viele Paläontologen sind überzeugt, dass der Urvogel bereits ein warmblütiges Tier war. Warmblütige Tiere können ihre Körpertemperatur unabhängig von der Umgebungstemperatur halten. Waren die Flugsaurier wechselwarme Tiere, dann hing ihre Körpertemperatur von der Temperatur der Umgebung ab. Bei kaltem Wetter sinkt nämlich die Körpertemperatur eines wechselwarmen Tieres. Und damit nimmt auch ihre Aktivität ab. Vorrausgesetzt, dass der Archäopteryx warmblütig war und die Flugsaurier wechselwarm, dann hatte der Urvogel allerdings einen entscheidenden Vorteil. Nämlich dann, wenn Klimaschwankungen auftraten. Allerdings gibt es wiederum Paläontologen, die behaupten, dass auch die Dinosaurier und Flugsaurier warmblütig gewesen sein könnten. Dann hätte sich der Vorteil für den Archäopteryx wieder erledigt.

Einige Forscher vertreten auch die Ansicht, dass die fliegenden Reptilien und Dinosaurier von einer isolierenden Daunen- oder Schlauchschuppenschicht (so etwas wie Haare) bedeckt waren. Als Beweis wird der 1971 gefundene Sordes pilosus angeführt. Dieser relativ kleine Flugsaurier mit einer Flügelspannweite von 50 Zentimetern soll bis auf die Flügel und Schwanz ein dichtes Fell gehabt haben. Doch die meisten Funde sprechen dafür, dass die Flugsaurier keine Behaarung hatten. Das könnte ein Vorteil für den Archäopteryx sein. Vielleicht hatte ihn sein Federkleid besser vor Kälte und Wärme geschützt. Denn Federn haben wie ein Fell isolierende Wirkung.

 

Sordes pilosus wurde in Kasachstan gefunden. Sein Abdruck in einem besonders feinkörnigem Sediment zeigte eine intensive Strichzeichnung um seinen Körper. Es wirkte so, als sei der Körper mit einem dichten Fell umgeben gewesen. Flügel und Schwanz zeigten nicht die Strichzeichnung, waren also nackt.

 

Erst wenn mehr verwertbare Fossilien, eventuell mit Weichteilen, gemacht werden, wird man vielleicht herausfinden, warum die Flugsaurier ausstarben. Und warum der Archäopteryx ein Erfolgsmodell war und sich letztendlich durchsetzte. Ob er sich überhaupt durchsetzte. Denn, wie in den vorigen Kapiteln beschrieben, gibt es ja auch die Forscher, die das anzweifeln.

Da die Flugsaurier bereits vor dem Archäopteryx existierten, könnte man auch auf die Idee kommen, dass der Urvogel von einem Flugsaurier abstammt. Schließlich konnten beide fliegen. Beide durchliefen eine Entwicklung, durch die sie sich an die Bedingungen des Luftraums anpassten. So entstanden Ähnlichkeiten. Diese Ähnlichkeiten waren jedoch so gering, dass man ausschließen kann, dass sich der Archäopteryx aus einem fliegenden Reptil entwickelte. Außerdem waren die Flugsaurier in einem Punkt bereits weiter entwickelt: sie verfügten über einen Kamm. Dann hätte der Archäopteryx eine rückläufige Entwicklung vollzogen.

 

Flügelvergleich: Flugsaurier, moderner Vogel und heutige Fledermaus
 

Pteranodon, Flugstudie 1914

 
Flügel eines Flugsauriers: Der vierte Finger ist extrem verlängert. Zwischen ihm und dem Körper spannt sich die Flughaut auf. Die ersten drei Finger sind kurz und tragen Krallen. Der fünfte Finger ist rückgebildet.

 

 

Flügel eines modernen Vogels: Durch die Federn werden die Finger als Stütze für den Flügel nicht benötigt.

 

 

Flügel einer Fledermaus: Die Flughaut wird von vier sehr verlängerten Fingern gestützt. Der erste Finger ist kurz und mit einer Kralle versehen. Er dient dazu, sich festzuheften. Der komplizierter aufgebaute Flügel der Fledermaus bekommt durch die über vier Finger gespannte Flughaut mehr Stabilität als der Flügel der Flugsaurier.

 

Skelett des Flugsauriers

 

 

Auch bei den Flugsauriern besteht die Tendenz, dass Knochenhäute verschmelzen. Sie haben einen Kamm am Brustbein und große Augen. Sie besitzen Knochen mit luftgefüllten Hohlräumen. Damit enden aber die Gemeinsamkeiten mit den Vögeln.

 

Unterschiedliche Lebensweisen

 

 

Das Skelett des Archäopteryx´ verrät, dass der Urvogel schnell und behende laufen konnte. Die Flugsaurier hatten meistens sehr dünne, eher schwächliche Beine. Bei einigen Arten traten die Oberschenkel sogar seitlich heraus. Daher waren sie am Boden eher sehr ungeschickte Läufer. Deshalb vermutet man auch, dass sie ihre Ruhezeiten nicht am Boden verbrachten, sondern, ähnlich wie die heutigen Flughunde, an Bäumen oder Felsvorsprüngen hingen. Folglich vermieden sie den Bodenkontakt.

 

 

Diese Rekonstruktion vom Pterodactylus zeigt ihn im ruhenden Zustand. Beim Archäopteryx weist nichts darauf hin, dass er seine Ruhezeiten hängend verbracht haben könnte.

 

 

Archäopteryx und Compsognathus

 

Im zurückliegenden Kapitel ist bereits erwähnt worden, dass ein Archäopteryx versehentlich zuerst als Compsognathus eingestuft wurde. Da die Flugsaurier eindeutig als Vorfahren des Urvogels ausscheiden, wäre der nächstliegende Gedanke, dass der Archäopteryx vom Compsognathus abstammen könnte.

Im Skelettvergleich wurden Übereinstimmungen des Compsognathus mit dem Archäopteryx festgestellt. Der Compsognathus besaß aber auch schon typische Vogelmerkmale.

Der zierliche Dinosaurier lief auf zwei Beinen, hatte vogelähnliche Füße und erreichte ungefähr die Höhe eines Haushuhns. Seine Knochen waren hohl. Der Körperbau ermöglichte hohe Laufgeschwindigkeiten. Compsognathus und Archäopteryx lebten nicht nur zeitgleich im Jura, sondern bevorzugten auch die gleiche Beute.

Sie jagten überwiegend Insekten, obwohl man bei einer Fossilie des Compsognathus in der Bauchhöhle die Knochen einer kleinen Echse entdeckte. Beide bevorzugten das offene Waldland. Der scnelle kleine Compsognathus jagte auf dem Boden, während der Archäopteryx vermutlich auf Bäumen lauerte, um sich aus der Luft auf seine Opfer am Boden zu stürzen. Er könnte auch im Flug nach Beutetieren geschnappt haben.

 

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